Ja, es gibt den Saidi in mehrfacher Ausführung: als Tanz mit dem Stock, dann heißt er Raks Assaya, und auch ohne Stock, dafür aber z.B. gezymbelt, dann nennt man ihn Saidi. Ein erdiger 4/4 Rhyhtmus, absolute Mitklatschgarantie - und auch bei Nichttänzern fangen die Füße an im Takt zu wippen.
Auch Stöcke gibt es verschiedene: so wird von Männern natürlich der Naturholz-Stock verwendet, während wir Frauen die Wahl haben: Natur - oder mit Metallic-Folie bezogen - oder ganz edel mit Pailletten bestickt und mit gebogenem Griff (Krücke) - dann ist es ein Balady-Stock - aber bei der Edel-Variante bitte nicht mit der bestickten Krücke auf den Boden schlagen bis die Pailletten abfallen!
Wenn Sie positive Erfahrungen mit dem Saidi gemacht haben - oder das eine oder andere lustige Erlebnis mit dem Stock hatten, dann freuen wir uns auch über Ihre Schilderungen an Redaktion .
Für Neueinsteiger im Bereich Orientalischer Tanz sei vorweg gesagt: die Aussprache ist nicht "Seidi" sondern in Silben getrennt „Sa-idi“, deshalb findet man diesen Rhythmus im französischen Sprachraum auch oft mit einem Trema: Saïdi
Der Rhythmus allgemein:
Fetzig, da bleibt niemand still auf dem Stuhl sitzen, selbst bei Nicht-Tänzern wippt der Fuß mit. Und für die Tänzerinnen und Tänzer unter den Zuschauern ist es schon schlimm sitzen bleiben zu müssen. Am liebsten würde man dazu stürmen und mittanzen – der Saidi reißt uns einfach mit - nicht ohne Grund ist er also als Rhythmus in vielen Hits der arabischen Charts vertreten.
... und für diejenigen, die es genau wissen wollen:
das Typische für den Saidi-Rhythmus (4/4) ist, dass seine tiefen Trommelschläge (Dums) am Anfang und 2 in der Mitte des Rhythmus-Segmentes stehen. Ein Umkehrung des kleinen Masmoudi (masmoudi kebir) also, aus dem der Saidi auch seinen zweiten Namen bezieht: Makloub (bedeutet in etwa „umgekehrt“). Ist gar ein Stock mit diesem Rhyhtmus als Requisit dabei, dann kommen wir zu seinem dritten Namen: Raks Assaya - dies wird aber meist nur von den absoluten Profis genutzt, landläufig heißt der Tanz mit dem undekorierten Stock immer noch Saidi.
und in Buchstaben erklärt sieht der Rhythmus dann so aus:
(dum = tiefer Trommelschlag / tak = heller Trommelschlag / p = kurze Pause)
dum | tak | p | dum | dum | p | tak | p |
1 | + | 2 | + | 3 | + | 4 | + |
Woher kommt der Saidi?
In Oberägypten gibt es eine Region namens Said, aus dieser stammt der Saidi-Rhythmus. Für viele ein typischer Folklore-Rhythmus, doch er kommt auch in Tanzroutinen als Segment vor, ebenso in vielen Stücken der arabischen Popcharts. Das Gebiet liegt zwischen Kena und Giz, eine bekannte Stadt der Region ist Assiut, und das berühmte Tal der Könige fällt ebenfalls in die Region Oberägyptens.
Saidi - ein Männertanz?
Die sogenannten Saïdis sind die Bauern und Hirten in Oberägypten, mit der typischen ländlichen Familienstruktur: der Großvater ist das Oberhaupt der Familie, stirbt er dann fällt diese Rolle an die Großmutter .
Fremden gegenüber sind die Saïdis ein sehr gastfreundliches Volk, bei denen die Frauen aber im Hintergrund bleiben. Wenn Sie also eine Einladung erhalten, werden Sie nie in gemischten Gruppen zusammensitzen, auch nicht bei Hochzeiten.
Sieht man einen Saidi-Tanz aufgeführt, so sind es die Männer die tanzen. Diese setzen den Stock auch in gespielten Kampfbewegungen ein – oder sie kokettieren mit dem Stock als ob es eine Frau wäre (mit der sie ja öffentlich nicht tanzen durften).
Heutzutage hat sich die rigorose Trennung der Geschlechter auf der Bühne gelegt, wenigstens hier kommen sowohl Männer als auch Frauen in Tanzgruppen zusammen, was zum Teil sicherlich auch Mahmud Reda zu verdanken ist.
Wir Frauen konnten natürlich nicht umhinkommen, die Männer etwas überzeichnet nachzumachen, dazu wurde dann aber nicht der schwere Stock der Männer genommen, sondern der leichtere, verspielte und weibliche Beledistock, der sich hauptsächlich durch die Krücke und auch gerne durch diverse Verzierungen vom einfachen Saidi-Stock unterscheidet.
Tanzbewegung, Kleidung und Musik
Viele kennen ihn von Bühnenshows oder vom Unterricht als Stocktanz: natürlich mit Saidi-Stock (der ohne Krücke) wenn Männer tanzen, Frauen benutzen oft den leichteren und „weiblicheren“ Beledi-Stock mit Krücke (gebogener Griff). Man kann den Saidi auch ohne jegliches Accessoire tanzen, es gibt keine komplizierten Armbewegungen, im Prinzip tut man weiterhin so, als ob man einen Stock in der Hand halten würde…
Wie bereits vorher erwähnt, wird bei Verwendung des Stockes von Raks Assaya gesprochen, wenn aber der Rhythmus gezymbelt wird, dann ist er der Saidi.
Die Bewegungen sind kraftvoll und erdig, alle diejenigen die schon Saidi-Workshops belegt haben können ein Lied vom Muskelkater danach singen – und trotzdem:
der Saidi macht einfach Spaß, dieses erdige, bodenständige ist etwas, das wir sehr leicht verstehen und umsetzen können, bereits nach kurzer Zeit hat man ein sehr umfangreiches Bewegungsrepertoire and Schritten und Hüftbewegungen, z.T. auch mit Einsatz des Stockes, der zum Takt mal aufgestoßen, mal gewirbelt mal einfach nur keck getragen wird.
Um das Ganze dann aber als Gruppentanz auf die Bühne zu bringen bedarf es einiger Übung und Erfahrung, denn der Stock darf keine Mittänzerin verletzen, man muss also genau wissen wo der Stock ist und wie weit er beim Wirbeln reicht.
typische Instrumente des Saidi:
Typische Instrumente für den Saidi sind die Tabla zum Umhängen, die Rahmentrommeln Req, Duff und Dahola, die Mizmar, die Nakrasan und die Rababa. Bei heutiger Chartmusik kommen natürlich noch die anderen Melodie-Instrumente dazu, aber wer sich die Mühe macht, kann diese Ur-Instrumente immer noch heraushören.
Musikempfehlung:
CD135 Gibaly "Afrah Baladna Said" -> erhältlich bei Sakkara
CD035 – Rhythmen des orientalischen Tanzes - Lern-CD
BU54 Barbara Lüscher - die Geschichte es Orientalischen Tanzes in Ägypten
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Kleidung:
Nicht bauchfrei, denn der Saidi ist ein Folklore-Tanz und wird wie die meisten Fokloretänze in einem durchgehenden Kleid getanzt. Es sollte einen Schlitz im Rockteil haben, damit man die nötige Bewegungsfreiheit hat. Damit die kraftvollen Hüftbewegungen gut sichtbar sind darf es körpernah sein, ansonsten wird die Hüfte einfach durch ein Münztuch betont.
Die Haare sind natürlich bedeckt, oft wird ein lustiges Pompomtuch verwendet, oder ein einfaches Baumwoll-Kopftuch dekoriert mit Ohrringen oder Münzen. Viele rollen auch einfach ein kleines Münz-Hüfttuch auf und binden sich dies als „Mini-Kopftuch“ als Haarband von der Stirn in den Nacken.
Es gibt für den Saidi auch speziellen Schmuck, oftmals werden die Kleider mit Halbmonden bestickt, die in 3-er Sets nach unten kleiner werden (Hagalla) und dazu gibt es eine ebenso geformte Halskette (Kirdan).
Und wenn Sie mal eine Tänzerin in einem dichtgewebten schwarzen „Netzkleid“ mit symmetrischen Silbermustern sehen: das ist ein landestypsiches Assuit-Kleider. Die Muster entstehen durch einzeln eingehämmerte Silberfäden. Sehr aufwendig in der Herstellung und leider nicht billig, weshalb sie heute auch eher selten beim Tanz getragen werden. Derzeit erlebt der Assuit-Stoff bei Hüfttüchern eine Renaissance.
Männerkleidung beim Saidi:
Saidi tanzen Männer in einer weißen Hose, darüber kommt dann ein weißer Kaftan, eine n dunklen Mantel und Schal sowie einen kleinen Hut (Takeia) mit Tuch oder einen Turban. Schuhe sind ebenso bei den Männern Pflicht.
Quellen:
Informationsmaterial zum Thema:
Khaled Seif, Zürich/Schweiz www.khaledseif.ch
www.bauchtanzinfo.de
Sibel Nefa, Braunschweig/Deutschland www.sibel-nefa.de
www.noursdance.blogspot.com
www.bellypedia.orientserver.de
www.nikaundhanan.de
www.wahiba-tanz.at



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