Diesen Tanz zu sehen ist immer wieder ein Erlebnis, egal ob als Solo- oder Gruppentanz. Es gibt natürlich auch den Tanz mit dem Tablett brennender Kerzen, das noch dazu wunderschön mit Blütenblättern und dergleichen dekoriert ist - aber der Shamadan, dekoriert mit glitzernden Ketten und Perlen oder Glasgehängen und den schlanken brennenden Kerzen ist für das Publikum das absolute Aha-Erlebnis.
Durch die Höhe des Shamadans (es gibt ihn mit 5, 9 oder 13 Kerzen) verlagert sich der Schwerpunkt des Körpers und es erfordert ein hohes Können, langes Training und eine absolute Isolation des Kopfes, um damit die diversen Tanzfiguren "schwebend" darzubringen. Der Raks Shamadan enthält fast immer ein Bodenteil, bei dem dieses Können besonders gut gezeigt werden kann. Auch ein Spagat mit diesem Accessoire auf dem Kopf wird auf westlichen Bühnen gezeigt, während dies z.B. in Ägypten eher verpönt ist, weil es als unanständig gilt.
Dieser Tanz ist eigentlich ein alter Hochzeitsbrauch, wenn auch schriftlich erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts dokumentiert, es gibt ihn aber schon viel länger in vielen Region des Mittelmeerraumes.
Heutzutage gehört der Raks Shamadan noch immer zu einer Hochzeitsfeier dazu. Je nach Ort der Feierlichkeit leitet die Tänzerin das Brautpaar durch z.B. die Eingangshalle/Treppenaufgänge eines Hotels zum Festsaal. Im Saal angekommen wird dieser einmal kreisförmig von ihr und dem Brautpaar abgeschritten, dann geleitet die Tänzerin das Paar auf ihren Ehrenplatz, in den meisten Fällen ein mit Blumen geschmückter "Thron". Dann beginnt die Tänzerin mit ihrer Darbietung des Raks Shamadan, bzw. Leuchtertanzes, bei dem auch heute noch Bodenelemente getanzt werden. Dabei kommen auch noch Requisiten wie z.B. Zymbeln zum Einsatz.Verpönt ist in Ägypten der Spagat, da er als unanständig gilt. Auf westlichen Bühnen ist diese Figur jedoch ein beliebtes Element, da hier der Tanz aber nur der Unterhaltung dient und keiner Tradition verbunden ist, fällt die Kostüm- und Figurwahl freier aus.
In Ost-Anatolien gibt es ebenfalls ein Hochzeitsritual, bei dem Braut und Bräutigam eine Kerze in der Hand halten und Tanzen. Feuer bedeutet in vielen Kulturen Heim und Sesshaftigkeit, das Nomadenleben hat ein Ende.
In Persien fand man Miniaturmalereien von Frauen, die auf ihren Köpfen kleine Kerzen balancieren. Dem offenen Feuer - auch in kleiner Variante des Kerzenlichtes - kam bei vielen Zeremonien religiöser Art große Bedeutung zu.
Geschichte des Shamadan/candelabra/klob
Die ursprünglichen Leuchter (klob) wurden noch ohne Kopfband balanciert, was ein großes tänzerisches Können und hervorragende Isolationsarbeit erforderte. Heute wird diese ursprüngliche Version nur noch selten dargeboten. 1995 tanzte Mahassen diese Variante beim amerikanischen "Festival of the Nile".
Der Libanesin Badia Masabni (Nachtclubbesitzerin und Lehrerin von u.a. Samia Gamal) wird nachgesagt, den Leuchtertanz in Ägypten in ihrem Casino Badia auf die Bühne gebracht zu haben. Selbst in den USA wurde Ende der 20er Jahre darüber berichtet.
Andere Tänzerinnen werden ebenfalls als Erfinder des modernen Raks Shamadan genannt, bzw. sie lösten ihn aus der Zeffa-Tradition heraus und brachten ihn auf die Bühne:
Shoufiqa al Koptiyyah und ihre Schülerin Zouba al Klobatiyyah seien an dieser Stelle genannt (letztere wird zum ersten Mal mit einem Spagat genannt).
Dann gab es noch Nadia Hamdi, deren Großmutter bei den oben genannten Tänzerinnen lernte und ihre Enkelin ausbildete. Nadia ist in 5. Generation eine Mohammed Ali Straßentänzerin. Eine amerikanische Tänzerin nahm Anfang der 1980er Jahre bei Nadia Hamdi Unterricht und seither ist dieser Stil in den USA immer häufiger zu sehen.
Der berühmte Tänzer und Choreograph Mahmoud Reda vertritt die Auffassung, dass der Leuchtertanz von Tänzerinnen des osmanischen Hofstaates diese Stilrichtung in Ägypten einführten.
Musikwahl / Infos zum Leuchter
Raks Shamadan wird nicht zu Popmusik getanzt, sondern zu klassischer orientalischer Musik.
War der ursprüngliche Kopfleuchter noch sehr schwer (inkl. Dekorationen konnten da schon mal 15 kg zusammen kommen), so sind die heutigen zum einen mit einem Kopfband versehen, als auch aus leichterem Material. Es gibt sie in verschiedenen "Etagen", d.h. es sind 9 oder 13 Kerzen auf 2 oder 3 Etagen. Ein moderner Leuchter verfügt über ein verstellbares Kopfband und ist gut ausbalanciert. Er bleibt dennoch ein Requisit für die weit fortgeschrittenen Tänzerin, da Hals und Brustbereich in allen Figuren/Drehungen/Bodenbewegungen ruhig bleiben müssen.
Dekoration:
Wer nicht zuviel Geld ausgeben will, dekoriert seinen Shamadan selbst mit Glasperlenkettchen, evtl. mit Blumengirlanden u.a. Es gibt natürlich auch die Edelausführungen, die solche Dekos bereits beinhalten und unterhalb des Tropfenfängers noch schöne Glasgehänge haben (erinnert stark an unsere westlichen Kronleuchter).
Zu beachten ist immer ein Restrisiko beim Tanz:
Kerzen bedeuten offenes Feuer und deshalb muss man sich vor Zusage eines solchen Auftritts davon überzeugen, dass dies in dem Saal/dem Raum a) erlaubt und b) überhaupt möglich ist. Die Deckenhöhe ist hier ebenso zu beachten wie Türbögen, Hängegirlanden o.ä.
Außerdem sind Lüftungen zu meiden, da diese durchaus den heißen Wachs wegblasen können, wobei der Wachs dann entweder eine andere Kerzenflamme auslöschen kann oder im Haar/auf dem Kleid landet. Eines so unangenehm wie das andere. Es sollten tropfarme Kerzen verwendet werden. Nach 5-10 Minuten Tanz haben zwar auch diese flüssigen Wachs angesammelt, aber die Menge ist etwas weniger als bei herkömmlichen Kerzen.
Sind die Kerzen zu schmal, kann man sie unten mit Alufolie umwickeln und mittels heißem Wachs in die Ständer einfügen. Die Tropfschalen sollte man sehr sauber halten, damit sie das Licht schön reflektieren und beim Tanz genügen Wachs aufnehmen.
Ist das verstellbare Shamadan-Kopfband nicht auf den eigenen Kopfumfang einzustellen, kann man sich mit Fensterschaum behelfen. Dieses Isoliermaterial gibt es in verschiedenen Stärken in den diversen Baumärkten, eine Seite hat einen Klebestreifen und dies hilft in den meisten Fällen. Wer will kann sich natürlich auch Lederpolster u.ä. einfügen. Wichtig ist auf alle Fälle, dass der Leuchter fest auf dem Kopf sitzt und nicht verrutscht.
Und da der Leuchtertanz nur von erfahrenen Tänzerinnen gemacht wird, haben diese selbstverständlich immer Ersatzkerzen und ein volles Ersatzfeuerzeug dabei.
Schreibweisen:
die westliche Transkription kennt einige Variationen des Wortes Shamadan: so findet man im englischsprachigen Raum auch Shemadan, manchmal urdeutsch als Schamadan, oder auch als Shamdan.



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