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Muwashahat-Andalusischer Tanz

Zahira - www.zahira.info
Zahira - www.zahira.info

Muwashahat – Strophengedicht - Arabisch-Andalusischer Tanz - Maurischer Tanz

Der Namen gibt es viele für diese hingebungsvolle Tanzart, die von der Kleidung stark an den persischen Tanz erinnert. Auch im Muwashahat wird nicht bauchfrei getanzt, Hosen unter den Kostümen sieht man mehr als dass sie fehlen würden. Zum Stil sei zu sagen, dass es wirklich gesungene Gedichte sind (es sei denn man wählt die Instrumental-Version), und entsprechend auch die Interpretation stimmen sollte. Die Tänzerinnen sind elegant-schwebend auf der Bühne, fast schon "elfengleich", die Bewegungen sind dezent und doch ausdrucksstark, die Posen und Schrittkombinationen eine interessante Mischung aus Anklängen des Folkloretanzes und des in Spanien verbreiteten Tanzstils im Mittelalter. Aber keinesfalls ist Flamenco im Spiel. Wir erhalten immer wieder Nachfragen zu "andalusischer Musik" - für uns ist damit klar dass die Musik der Strophengedichte gefragt ist, während die Kundin eher Flamenco Musik aus dem südspanischen Raum sucht...

Lesen Sie nachfolgend mehr zu diesem außergewöhnlichen Tanz, den wir leider viel zu selten auf den Bühnen zu sehen bekommen.

Ihr Sakkara-Team

Herkunft

Mihana, www.orient-isis.ch
Mihana, www.orient-isis.ch

Es war im 8. Jh, dass Muslime von Marokko nach Spanien kamen (im speziellen nach Andalusien), geleitet vom Kommandeur Gebal al Tariq (Gibraltar ist eine Ableitung seines Namens). Der Koran der damaligen Zeit war anderen Kulturen gegenüber sehr offen, dies war für eine freundliche Aufnahme der Eroberungstrupps sicherlich hilfreich. Cordoba etablierte sich als Hauptstadt und Musiker kamen hierhin, nach "Al-Andalus" und brachten die persische Musik und Mode mit. Die Musikinstrumente erfuhren eine interessante "Vereinheitlichung", so erhielt die Oud z.B. eine 5. Saite.

Muqaddam al-Qabri führte die Musik weiter und es entsanden Einzelstücke, die zusammengesetzt Lieder von über 40 Minuten Länge ergaben. Poesie in Tonform, genannt Muwashshah, davon der Plural: Muwashahat, was soviel bedeutet wie Strophengedicht.

Ungewohnt ist, dass es im Gegensatz zum "festen" Saidi keine kategorisch festgelegte Ryhtmen gibt, die Strophengedichte können sowohl gerade, wie z.B. 4/4 also auch ungerade wie 9/8 sein. Häufig kommt eine Variante vor, bei der der 1., 6., und 7. Schlag betont wird, die daraus resultierenden Tanzfiguren sind allemal interessant, wenn auch nicht einfach nachzuvollziehen.

Aber Musik wäre nicht Musik, wenn sie sich nicht weiter entwickeln würde, und so hat auch hier eine "Modernisierung" stattgefunden, und die Stücke und Rhyhtmen wurden vereinfacht. Dies erleichterte die Aufnahme von einzelnen "kleinen Strophen" in eine Raks Sharqi Tanzroutine.

In Tunesien und Marokko ist dieser Tanzstil noch weiter verbreitet, als z.B. in Ägypten.

Kleidung

Zahira - www.zahira.info
Zahira - www.zahira.info

Klassische Kostüme des andalusischen Tanzes sind nirgends schriftlich festgehalten, wir kennen sie nur aus Überlieferungen. Die Tanzgruppe von Mahmud Reda hat diese Erzählungen zum Anlass genommen, die Originalkostüme nachzuempfinden, und heute "andalusische Kostüme" bauen auf den Recherchen und Aufführungen seiner Truppe auf.

Um der Moderne genüge zu tun, trägt man heutzutage für Bühnenpräsentationen lange Blusen bzw. Jacken mit Schärpen oder Schösschen (Sissi lässt grüßen) und darunter Pumphosen. Ist die Bluse eher kurz, dann kommt noch zusätzlich ein Rock über die Hose, aber nur knielang.

Schön für uns "Prinzessinnen", dass es ebenfalls die Variation des Kleides gibt, bei dem der Oberkörper ähnlich der alten türkischen Kostüme eng anliegt, ab der Hüfte aber Stoff im Überfluss zum Tragen kommt. Die ärmellosen Kleider werden mit langen Handschuhen ergänzt, zum Teil auch noch oben mit Tüchern betont.

Chiffon wie wir ihn heute kennen gab es zur ursprünglichen Zeit des andalusischen Hoftanzes nicht, damals kamen Stoffe zum Einsatz, die wiederum heute ein Kostum fast unbezahlbar machen: Samt und Seide natürlich, aber auch Baumwolle und Brokat. Bestickt mit Metallfäden in gold und silber, kleinen Perlchen und Pailletten. Wohlhabende konnten sich auch echte Perlen auf dem Kostüm leisten.... Diese Kleider wären zu ihrer Zeit in keinem europäischen Hofstaat als unpassend aufgefallen. Heute sind sie etwas Besonderes, da sie nicht dem "Körperzeige-Wahn" verfallen, sondern etwas augenzwinkernd Keusches haben!

Vervollständigt wurde das Outfit mit einem kleinen Hütchen mit Schleier - wie die Damen sie zum Teil noch im letzten Jahrhundert trugen! 

Accessoires:
wie auch beim persischen Tanz können kleine "Taschentücher" aus einem weich fließenden Stoff in den Händen gehalten werden, um die weichen Bewegungen noch optisch zu unterstützen.

Musik und Tanzfiguren

Der andalusische Tanz ist ein sehr elegant-weiblicher, damenhafter Tanzstil, mit dem oft Melancholie ausgedrückt wird. Von der Herkunft ein Hoftanz, kommen selbstverständlich auch stilisierte Verbeugungen und tiefe Kniebewegungen vor - aber alles sehr elegant und dezent. Wer Arabesquen liebt, der liebt auch den andalusischen Tanz - hier findet man alle Variationen dieser Drehung ebenso wie geschmeidige Hüftbewegungen zum Takt der Musik. Besonders beliebt ist die "andalusische Acht", die eine gute Balance und Isolation erfordert, da hier nur die Hüfte ausladend arbeiten soll, ohne dass der Körper kippelt oder die Arme rudern. Und zu den Armen sei zu sagen: Elegant, graziös, anmutig: Schlangenarme, traurige Denkerposen, Wellenbewegungen mit den Armen sind hier prominent.

Bezüglich der Beinarbeit lässt sich zusätzlich zu der Drehfreudigkeit des Tanzes noch anmerken, dass die Tänzerinnen sowohl gleitende Passagen tanzen, als auch stolze Schritte tanzen - aber ohne ihr Publikum dabei direkt anzusehen (so etwas tut eine Damen ja nicht) - somit bleibt sie für den Anbeter aus dem Publikum unerreichbar, unnahbar und umso mehr will er sie haben....

Kennen Sie die CD "Mozart in Egypt" oder "Best of Classics '97"? Darauf ist ein andalusisches Musikstück zu finden, genannt Lamma bada yatathana (Sinfonie Nr. 40) - beide CDs erhalten Sie noch bei Amazon.de. Ebenso ist das Stück aber auch bei CD023 Jalilah - Journey of the Gipsy Dancer in unserem Onlineshop zu finden. Es gibt dies Lied auch von Fairuz oder Hamza ad-Din.

Andere verwendbare Musik für Strophengedichte sind auf unseren CDs Layali Kortuba (CD149 von Bassam Ayoub) und Alwan min Alsharq (CD147, ebenfalls von Bassam Ayoub) zu finden.

Wir danken den abgebildeten Tänzerinnen Mihana und Zahira für die freundliche Genehmigung zur Verwendung ihrer Bilder.
Zahira, www.zahira.info
Mihana, www.orient-isis.ch

Alhambra 2009 ©Birgit Strauß

Andalusien - das Land

Karte Andalusien

Andalusien - Spanien / Sonne / die Alhambra... das sind so die ersten Gedanken, die einem bei diesem Land in den Kopf schießen.

Geografisch und historisch ist es jedoch auch die Region, in der sich der Muwashahat (andalusischer Tanz) entwickelte, nicht zu verwechseln mit dem Flamenco der Neuzeit.

Nachfolgend einige kurze Informationen zu Land und Leute, den Tanzstil dazu haben wir Ihnen bereits vorgestellt!

Viel Spaß beim Lesen!

Al-Andalus

Alhambra Innenhof ©Birgit Strauß

Zur Herkunft des Namens Andalucía: 
die Mauren fielen im 8. Jh in das Land ein und benutzten die Bezeichnung Al-Andalus. Dieser Name ist nicht eindeutig geklärt, bezeichnete aber mit Sicherheit den gesamten maurischen Herrschaftsbereich auf der spanischen Halbinsel. In den Jahren 715/717 wurde er auch erstmals auf Münzen geprägt. 

Aufgrund geografischer Gegebenheiten (die steilen Berge galten lange Zeit als nicht zu erobern) fiel es den "üblichen" Großmächten der Vergangenheit schwer, das Land dauerhaft einzunehmen. Unter den Verlierern waren sowohl Römer als auch Franzosen, Spanier und Araber. Einzig die Mauren konnten sich einen längeren Zeitraum halten. Lange genug zumindest, um ihre Kultur unverwechselbar mit der Region zu verknüpfen. Traditionen und Bräuche haben sich zum Teil bis heute erhalten.

Architektur/Küche

Altstadtgasse Granada ©Birgit Strauß

Aus der maurischen Epoche Andalusiens sind noch heute architekturelle Kleinode erhalten, die weltweiten Ruhm erlangt haben. So kennt jeder die Alhambra in Granada, und die meisten Menschen kennen auch die Mezquita in Córdoba und die Alcázar und Giralda in Sevilla. Wenn man als Tourist durch die engen Altstadtgassen schlendert und sich das bunte Treiben ansieht, dann fragt man sich, ob man wirklich noch auf dem europäischen Festland ist oder auf einem arabischen Suk.
Moscheen sind in der Nachbarschaft von Kirchen zu finden. Und die alten großen Kirchenbauten (z.B. in Sevilla) zeigen Stilelemente, die von den maurischen Baumeistern vergangener Zeiten eingeführt wurden (der Mudéjar-Stil, der von den Architekten der Romantik und Gotik aufgegriffen und weiterentwickelt wurde).

Aber ein Land besteht nicht nur aus Gebäuden und Bräuchen, in Andalusien findet man die Mittelmeerküche mit maurischen Einflüssen vertreten, u.a. verdankte man den Arabern die Zitrusfrüchte und das zur Kultivierung notwendige Know-How der Bewässerung. Aber auch Gewürze und Mandeln sowie verschiedene Desserts haben maurische Herkunft.