Henna und andere Färbemittel des Orients
Was und woher und vor allem wie?
Henna – viele kennen den Begriff und die meisten wissen, dass man damit Haare intensiv rot-orange färben kann, bzw. dass man damit auch Hautmalereien machen (lassen) kann, sog. Mehndi.
Aber woraus wird Henna gewonnen und wo liegt der Ursprung – was kann man noch mit Henna anstellen? Gibt es Alternativen zu Henna und andere Farben?
Die Hennapflanze
Henna ist eine Pflanze, die in warmen Ländern mit trockenen Böden vorkommt. Sie ist strauchartig bis hin zur Wuchsform eines kleinen Baumes (1-2 m sind die normale Wuchshöhen) und gehört zu den Weiderich-Gewächsen. Die Gattungsbezeichnung ist „Lawsonia inermis“ – 1735 nach Isaac Lawson benannt. Inermis bedeutet unbewehrt, d.h. eine Pflanze die keine Dornen hat. Bei Lawsonia kommen Dornen nur sehr vereinzelt an Kurztrieben vor.
Der Henna-Busch blüht zwar oft ganzjährig, aber die Hauptblütezeit liegt von Oktober bis November. Seine kleinen Blüten sind unterschiedlich in der Farbe, weißgelb, rosa oder rot und eher unscheinbar, ihr Duft macht sie aber zu einem beliebten Accessoire der Innenhöfe des Vorderen Orients. Der Hennastrauch soll angeblich Mohammeds liebster Duft gewesen sein, so sagt zumindest die Überlieferung. Seine Fruchtkapseln sind ungefähr erbsengroß und in Vollreife lila- bis blauschwarz.
Viele denken jetzt bestimmt „Aha - aus den Kapseln wird die Farbe gewonnen.“ Dem ist nicht so - die Farbe wird aus den getrockneten Blättern gewonnen. Diese müssen im Schatten trocknen, da sonst der rote Farbstoff zerstört wird. Dann werden die getrockneten Blüten zerrieben und als Färbemittel für Haare, aber auch Fußsohlen und Hände sowie zur Bemalung diverser Körperteile verwendet. Dabei agiert nicht Henna selbst als Farbe, sondern erst nach Zugabe von z.B. warmem Wasser durch Fermentierung.
Henna reagiert nur mit keratinhaltigen Stoffen wie Wolle und Seide, bzw. proteinhaltigem Material wie Haut und Haaren bzw. Nägel. Ebenso lässt sich bei Tamburinen mit natürlicher Bespannung diese mit Henna dauerhaft verzieren.
Da beim Selbstfärben der Haare je nach Temperament des Färbenden der eine oder andere Spritzer im Becken, auf den Schränken oder an der Wand landet ist es ein Glück, dass Henna nicht mit Kunststoffen und Porzellan reagiert, denn dort hinterlässt Henna keine bleibenden Spuren, im Gegensatz zu manch chemischem Farbzusatz.
Gesundheitsrisiken
Die „natürliche“ Farbe nach einer Hennaanwendung liegt zwischen einem hellen orange-rot bis zu einem mahagonirot – je nach Qualität des Pulvers. Henna selbst ist absolut unbedenklich und löst weder Jucken noch sonstige Allergien aus. Dennoch sind in Europa vor einigen Jahren Hennaprodukte als krebserregend eingestuft und vom Markt genommen worden – warum? Hier kommt wieder die Industrie ins Spiel: um das Farbergebnis zu sichern wurden dem Hennapulver synthetische Stoffe und Beizen zugesetzt, wie z.B. Natrium Pikramat. Diese können sogar das Erbgut schädigen. Schwarz färbendes Henna, das eine Zeitlang sehr beliebt war, enthält sogar PPD (Phenylendiamin), das ebenfalls Hautschäden und schwere allergische Reaktionen auslöst.
Wer also mit reinem Hennapulver färbt und kein Problem damit hat, dass die Farbnuance variieren kann, läuft keine gesundheitliche Gefahr. Reines Henna ist auch wieder zugelassen und in vielen Läden erhältlich.
Weitere Eigenschaften des Henna
Was viele jedoch nicht wissen:
Henna hat auch eine medizinische Anwendungsmöglichkeit. Bestätigt ist seine keimhemmende Wirkung. Durch seine Gerbstoffe werden auch Hautpilze und Flechten im Wachstum gehemmt.
Nicht klinisch belegt ist, dass Henna gegen Infektionen und die Schlafkrankheit wirken soll. Im arabischen Raum wird Henna schon seit Jahrhunderten zur Behandlung von Lepra, Pocken und Windpocken eingesetzt.
Aufgrund seiner „heilenden“ Wirkung wurde Henna auch gegen den Bösen Blick eingesetzt, in Form von Mehndi (Hautbemalungen) mit schützenden bzw. glücksbringenden Symbolen der jeweiligen Region und Religion – und wird deshalb vor allem dann angewandt, wenn viele Menschen zusammenkommen, also z.B. bei Hochzeiten, Geburten, Todesfällen…
Bei uns war die Hennawurzel früher unter dem Namen Echte Alkanna bekannt, wobei Al-Khanna der arabische Name dieser Pflanze ist und heute wird sie in Ägypten Khenna genannt. Mehandi ist eher im indischen Sprachraum gebräuchlich.
Haare färben mit Henna
Man braucht für eine Anwendung:
ca. 250-300 ml heißes Wasser oder: heißer Schwarztee, heißer Rotwein, heißer Kaffee. Schwarztee und Kaffe intensivieren den Braunton, heißer Rotwein verstärkt den Rotton. Nur heißes Wasser wird das Färbeergebnis im orangerot-Bereich halten.
Man nehme:
eine Schüssel, einen Holzrührlöffel, ein Kaffeebecher (250 ml) heißer Flüssigkeit und vermische das Pulver…. Das Endergebnis sollte nicht zu flüssig sein, sonst lässt es sich schlecht auftragen – aber auch nicht zu fest, wir fanden 250-300 ml optimal. Aufgetragen wird entweder mittels Färbepinsel wie bei normaler Haarfarbe oder mit der Hand wenn die Masse ein wenig fester ist… Dann sollte der Kopf warm eingepackt werden. Um die Handtücher nicht zu Batikkunstwerken der Henna-Art werden zu lassen empfehlen wir Frischhaltefolie um den Kopf zu legen und somit die Hennafarbe luftdicht abzuschließen. Danach ein großes Handtuch um den Kopf.
Am Besten setzt man sich jetzt mit einem guten Buch und einer Tasse Tee vor den Ofen oder in die Sonne und lässt die Färbemasse einwirken. Mindestens 30 Minuten wenn man nur kurz testen will, mindestens eine Stunde für Haare mit intensiver Färbung. Danach werden die Haare ganz normal ausgewaschen, shampooniert und getrocknet wie immer. Auf Dauer wird man feststellen, dass mit Henna gefärbtes Haar etwas schwerer wird, denn im Gegensatz zu chemischen Farbstoffen zieht Henna nicht in die Haare ein sondern legt sich außen herum. Dennoch wird es lange dauern, bis der Rotton aus den Haaren gewichen ist, wenn man aufhört mit Henna zu färben...
Bezugsquellen für Henna
Henna erhalten Sie z.B. entweder in türkischen/asiatischen Lebensmittelgeschäften oder über den Onlinehandel im Internet. Interessante Adressen rund um Henna, Harkous und Khidab haben wir für Sie in der Quellenangabe am Ende dieses Beitrages hinterlegt.
Es gibt noch andere Färbemöglichkeiten im Orient, die in Europa wenig bekannt sind. Touristen aus Tunesien kommen z.B. mit Harkous-Malereien aus dem Urlaub zurück.
In Tunesien werden für Harkous weniger die z.B. in Ägypten gebräuchlichen floralen Muster eingesetzt, dafür kommen Dreiecke, Kreuze, Fische und Rhomben zum Einsatz, vor allem im Küstengebiet – alles Anzeichen auf Verehrung der punischen Meeresgöttin Tanit.
Harkous gewinnt man aus einer Mischung von Galläpfeln, Nelken und einem Erdmetall namens Auripigment. Ein langer Kochprozess mit den jeweiligen Zutaten ist notwendig und zum Schluss wird die Substanz durch Pyrolyse (Trockendestiallation) in Weihrauchharz gelöst.
Im Yemen heimisch ist die Hautbemalung mit schwarzer Galltinte, Khidab genannt. Grundstoff ist das Verbrennen von Eichengallkügelchen. Diese entstehen durch Gallwespen, die ihre Eier in der Baumrinde ablegen und deren Larve von dem austretenden Harz umgeben wird und sich davon ernährt. Damit wird ein immer gleichbleibender schwarzer Farbton erzielt, aber es ist Vorsicht geboten: Zur Anwendung in der Herstellung kommt ein Kupferoxyd welches Eisenoxyd ersetzt und für die blauschwarze Färbung sorgt. Auf dieses Kupferoxyd reagieren aber viele Menschen allergisch. Ebenso kann auch das zuvor bereits als gesundheitsschädlich beschriebene PPD zur Anwendung kommen. Sowie Ammonium- und Natriumchlorid in geringeren Mengen. Man sollte sich also auf alle Fälle eine Zutatenliste beim Kauf bzw. vor Bemalung geben lassen. Die dünne Tinte wird entweder mit einem spitzen Holzstück oder einem Akaziendorn aufgetragen (zuvor kann man mittels Stärkezugabe die Tinte eindicken, bis sie die Konsistenz einer Hennapaste hat) – oder dünnflüssig mit einem Eyeliner-Pinsel.



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