Wie bereits im letzten Newsletter berichtet, entstand der American Tribal Style um 1970 in den USA. Dort gründete Jamila Salimpour die weltweit erste Tribal-Tanzgruppe, Bal Anat, die vor allem auf Rennaissance- und Mittelalterfesten auftrat. Aus der folkloristisch anmutenden Kostümierung – jede Tänzerin symbolisierte einen bestimmten „Stamm“ - sowie den durch Show-, Stammestanz- und Zirkuselemente interessanten Tanzstil wurde die Bezeichnung des Tanzstils als „tribal“ (tribe = Stamm) geboren. Masha Archer vereinheitlichte den ATS durch die Einführung einheitlicher sogenannter „Stammestrachten“. Eine Schülerin Masha Archers, Carolena Nericcio, wiederum prägte die Weiterentwicklung des ATS nachhaltig und gilt sogar als die Begründerin des Stiles „Tribal Fusion“.
Der Tanzstil Tribal Fusion ist, wie der Name schon sagt, eine Fusion aus vielen verschiedenen Tanzstilen, Kulturen, Elementen und Stämmen. Er geht auf den American Tribal Style zurück, der sich im Laufe der Zeit veränderte. Aus diesen Veränderungen entstand eine neue Tanzrichtung: Tribal Fusion. Aus dem ursprünglich auf die gesamte Gruppe ausgerichteten, improvisatorischen Tanz des ATS wird ein Stil, der sich stark auf Choreographien konzentriert sowie die einzelne Tänzerin in den Vordergrund stellt. Anstatt der Einheitlichkeit der Gruppe wird nun wieder die individuelle Tänzerin hervorgehoben. Die großen Tanzgruppen werden reduziert, aus oft großen „Tribes“ werden Kleingruppen, Paare oder sogar Solo-Tänzerinnen. Die Soli erfolgen durch Heraustreten der Solo-Tänzerin aus der Gruppe und Wiedereingliederung nach dem solistischen Teil.
Der Tanzstil Tribal Fusion ist ein Tanz ohne Grenzen. Die traditionellen, folkloristischen Tanzelemente des ATS werden durch viele verschiedene Tanzrichtungen ergänzt, verändert, ersetzt und ausgebaut. Es nicht unüblich Tanzelemente aus den Bereichen HipHop, Jazz-Dance, Flamenco, Cabaret oder Modern Dance sowie Breakdance innerhalb des Tribal Fusion Styles zu beobachten. Typische Tanzbewegungen sind außerdem rasante Tempi- und Dynamikwechsel, tiefe Back- und Sidebends mit und ohne Bodywave, Breaks (kurze Stopps innerhalb der Bewegung) und Locks (abruptes Ende einer Bewegungsrichtung durch gewissermaßen beschleunigtes Beenden der Bewegung). Die körperliche Herausforderung für jede Tänzerin ist dabei eine extreme Körperspannung, die sich bis in die Finger- und Fußspitzen fortsetzt und die Voraussetzung dafür ist, die Bewegungsabläufe entsprechend ausführen zu können. Auch die Musikrichtung ist nicht mehr so streng gehalten wie noch im ATS. Traditionelle arabische Bauchtanzmusik wird vermischt mit modernen oder westlichen Elementen. Neben volkstümlicher oder mittelalterlicher sowie arabischer traditioneller Musik hört man immer wieder auch Rock, Soul, Blues oder sogar Trance-artige, elektronische New Age Musik. Aus diesem Grund wird der Tribal Fusion Style oft auch als „Tanz der jüngeren Generation“ bezeichnet.
Immer im Hinterkopf behalten sollte man, dass der Begriff „Tribal Fusion“ einen Überbegriff für viele andere Tanzstile darstellt. Neben Flamenco Fusion findet man auch Indian Fusion, Gothic Fusion... Die Liste der Tanzvarianten könnte endlos fortgeführt werden.
Auch die Kostüme der Tribal Fusion Tänzerinnen heben sich durch einige Elemente von der Kostümierung des ATS ab. Zwar stellen noch immer mehrlagige Röcke und Pluderhosen sowie bauchfreie Tops und viel Schmuck die Basis jeder Tribal Fusion Kostümierung dar. Jedoch findet man im Tribal Fusion auch häufig neue Schmuck-Elemente, neonfarbene Dreads oder glitzernde Sari-Stoffe. Traditionelle Bekleidung wird mit moderner gemixt. Man findet Kombinationen aus orientalischen, westlichen, alten und neuen Kleidungselementen. Aktuell sind vor allem Kleidungsstücke aus schwarzer Spitze sehr beliebt.
Beständig ist allerdings der Körperschmuck im Tribal-Bereich. Vor allem in diesem Teil der Bauchtanzszene schmückt man sich gern und viel mit exotischen Körperbemalungen. Meistens findet man Tätowierungen der Körpermitte, um den auch für den Tribal-Tanz wichtigsten Körperteil – den Bauch – zu schmücken und ins Rampenlicht zu stellen.
Auch die sogenannten Cues – die Kommandos, mit denen eine neue Bewegung angekündigt wird, bleiben im Tribal Fusion Style bestehen. Auch wenn im Tribal Fusion ohnehin schon stark mit Choreografien gearbeitet wird, gibt es auch hier improvisierte Teile und die Notwendigkeit, sich innerhalb der Gruppe abzusprechen, um die nächsten Schritte zu klären. Daher sind auch hier die Cues in Form von bestimmten Kommandorufen oder Handbewegungen unabdingbar, wenn von einer Bewegung in die nächste übergegangen werden soll.
Prägend für die Entstehung des Tribal Fusion Styles waren und sind neben der Begründerin Carolena Nericcio unter anderem auch Rachel Brice sowie Heather Stants, die mit ihrer Gruppe Urban Tribal Dance eine weitere Nuance, die des Einflusses der Großstadt mit street dance, in den Tribal Fusion Style einbrachte.
Eine ebenfalls sehr einflussreiche und weltbekannte Tribal-Fusion-Tänzerin ist Sharon Kihara. Ihr erster Kontakt mit Bauchtanz erfolgte bereits im Alter von zehn Jahren. Ursprünglich tanzte sie vor allem moderne Tänze wie Ballett, Jazzdance und Modern Dance. Ihre wahre Liebe galt aber sehr bald dem Bauchtanz. Seit dem Jahre 2004 ist sie mittlerweile Mitglied der berühmten Tanzgruppe Bellydance Superstars und tourt mit diesen auch durch die ganze Welt. Neben ihrer Tätigkeit als Tänzerin gibt sie außerdem noch Unterricht sowie Seminare und bildet sich im Bereich „Heilung durch Tanz“ weiter. Mit ihren 31 Jahren hat sie bereits viele Erfahrungen im Bereich Film und Fernsehen hinter sich. Sie tanzte u. a. mit den Black Eyed Peas sowie Missy Elliot zusammen auf der Bühne und ist aus dem Bauchtanzbereich Tribal Fusion nicht mehr wegzudenken.
Ihr Markenzeichen sind die beiden Pfauenköpfe, die sie jeweils rechts und links auf ihren Bauch tätowiert hat.
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Ein großes Dankeschön an Naheema, Ayana und Mandala für die Bereitstellung der Bilder.
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