…. Vor 10 Jahren war es, da fragte man sich bei Sakkara, ob „diese neue Orient-Bewegung aus USA“ überhaupt Zukunft in Deutschland hat. Deutsche Tänzer waren bislang auf Glitter und Glamour fixiert und dieser neue Stil, Tribal genannt, der war schon düster im Vergleich - Grufti sozusagen (hier sei nochmals für alle rein deutschsprachigen angemerkt: ausgesprochen wird das Wort als "Treibl"!). Dunkle Kleidung, z.T. sehr indisch angehaucht, klobiger Schmuck in altsilber…
Dennoch trotz – oder gerade wegen dieser Andersartigkeit – faszinierte uns diese Bewegung. Oder war es die Tatsache, dass wir regelgewohnten Deutschen einen Tanzstil gezeigt bekamen, der ursprünglich improvisiert wurde (wobei zu sagen ist, dass Improvisationen wirklich nur dann zu einem Energieaustausch zwischen Tanzgruppe und Publikum führen, wenn die Tänzer ihr Metier beherrschen). Sakkara machte sich damals die Mühe die von Carolina Nericchio (FatChanceBellyDance) herausgebrachte Videocassette auf Deutsch zu übersetzen (zu den englischen Cues gab es damals noch keine deutschen Fachbegriffe). Leider machten sich die Amerikaner damals nicht die Mühe die Tonspur extra aufzunehmen, sondern es wurde während der Filmaufnahme ein Script gelesen. So konnte nur die Originalspur auf ein Minimum an Lautstärke gesetzt und die deutsche Tonspur darübergelegt werden – nichts für Fans des digitalen Zeitalters. Dennoch war es ein Riesenerfolg und die Mitarbeiter von Sakkara betrachteten etwas überrascht den Tsunami, der über Deutschlands Tänzer fegte. „Nea’s Tribal Stamm“ aus Dillenburg war die erste deutsche Tribalgruppe – ihr sind in der Norddeutschen Ecke auch weitere Tribalstämme zu verdanken, die sich nach Workshops formten.
Typisch für den Tribal-Dance – es wurden im Laufe der Zeit von den Tänzerinnen Adaptionen vorgenommen - so wurde das Kostüm nicht mehr strikt in schwarz gehalten: die Röcke wurden bunter, die Oberteile und Dekos entwickelten sich bei uns anders als im Stammland USA. Nach einer Weile kamen dann neue Strömungen auf – Tribal Dance teilte sich in die moderne Fusion-Richtung und verzweigte umgehend nochmals in die Gothic-Richtung mit ihren Kulten statt Stämmen. Seitdem geht es richtig rund in Deutschland was Tribal-Tänze und Stämme angeht. Immer mehr Tanzschulen bieten Tribal-Dance an. Und die Entwicklung geht rasant weiter. Derzeit kommen noch Einflüsse des Burlesque Tanzes hinzu, es gibt einen Urban-Tribal, einen Balkan-Fusion, Hip-Hop Elemente und auch die eine oder andere aus dem Yoga bekannte Bewegung fließt nahtlos mit ein…. In Deutschlang gibt es seit einigen Jahren auch eine Symbiose zwischen den diversen Mittelalter-Gruppierungen, die gerne Tribaltänzer auf ihre Treffen und Märkte einladen. Es wird interessant sein, in 10 Jahren auf das Jahr 2010 zurückzublicken um zu reflektieren, wohin sich die Tribal-Bewegung entwickelte.

Der Tribal-Stil hat also ganz Deutschland erobert… Ganz Deutschland? Nein, eine kleine Minderheit wehrt sich tapfer dagegen (außer den eingefleischten klassisch-orientalischen Tänzerinnen):
Im Südwesten herrscht Tribal-Diaspora. Nicht dass keine Workshops angeboten würden – es erklären sich sehr gute Dozenten bereit zu unterrichten – nur kommen selten genügend Interessierte aus den Ecken des Landes. Und so geben viele Studios dann doch den Versuch wieder auf, diese Stilrichtung ins wöchentliche Unterrichtsrepertoire zu integrieren. In Großstädten wie Hannover, Berlin und Frankfurt ist es kein Thema – auch Stuttgart kann hier genannt werden - die Stämme sind gut vertreten und vielfältig, die Lehrer meist Profis. Dagegen muss man im westlichen Teil Baden-Württembergs für professionell fundierten Unterricht, egal ob nun American Style Tribal oder eine der moderneren Richtungen, schon mal über 100 km Anfahrt in Kauf nehmen. Für ein wöchentliches Training ein Unding für normal Berufstätige und Mütter… .

Für viele ist somit die Entfernung zum Trainingsort ein großes Hindernis diese Stilrichtung zu erlernen, obwohl sich viele davon angesprochen fühlen: die teilweise schrägen Make-Up Ideen, die hohe Körperbeherrschung – nicht zu vergessen die Unzahl an Tattoos (in jeder von uns steckt nicht nur eine Prinzessin, sondern auch eine Hexe oder eine Göre). Lern-DVDs und Workshops sind für Einzelkämpfer hier eine gute Alternative und sehr beliebt sind Tribal-Treffen wie z.B. alljährlich in Oberwesel. Das Bommel-Burg-und Bäuche-Festival des traditionelleren ATS hat sich fest etabliert und erfährt regen Zuspruch. Ebenso das Tribal-Festival in Hannover oder Berlin, die jeweils noch mit Stargästen aus den USA aufwarten. Andere, neuere Festivals wie z.B. Knechtsteden tun sich da noch etwas schwerer. Dieses Jahr geschah es dann, dass zum ersten Mal im Südwesten eine Tribal-Messe in Offenburg abgehalten wurde. Fast schon eine Sensation.
Es gibt inzwischen ein deutschsprachiges Online-Magazin (s.he Linkliste am Ende des Beitrags) speziell zur Tribal, Fusion und Gothic Richtung, so dass man auch ohne Buschtrommel mitbekommt, wann wo ein Festival stattfindet, welche Neuheiten es auf dem Markt gibt. Und wenn man sein Augenmerk erst mal auf einen Stil gerichtet hat, dann findet man auch immer leichter und schneller online wo und wie man zum passenden Unterricht und Outfit kommt.
Tribal hat sich also in seiner vollen Vielfalt in Deutschland etabliert, unsere europäischen Nachbarn haben mitgehalten. Ob nun in Schweden, Schweiz oder Niederlande, Österreich oder Großbritannien: Tribal Dance und Fusion/Gothic bzw. Dark Fusion sind ebenso fest etabliert wie bei uns, es finden immer häufiger Treffen statt und der kulturelle Austausch ist vielfältig.
Goondarani www.apsarahabiba.de
Tribal-Festival Hannover Bilder
Bilder des Tribal-Treffens bei der World Of Orient 2009



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