Das Erste was uns zum Libanon einfällt, sind wahrscheinlich seine grausamen Bürgerkriege, welche die Stadt zeitweilig nach Berliner Vorbild trennten. Das Christenviertel und das islamische Viertel.
Die Älteren von uns wissen noch, dass der Libanon nur 1/4 der Größe von der Schweiz hat, also gerade mal etwas mehr als 10.000 Quadratkilometer. Davon sind ca. 200 km Strand, das Klima ist gemäßigt mit einem feuchteren Küstengebiet, trockenen Teilen in Richtung Syrien und Bergen mit 3000 Metern Höhe.
Und dann war da noch die Zeder - ein Baum der im Libanon sogar auf der Staatsflagge zu sehen ist, aber kaum noch in der Natur zu finden.
Wer den Libanon noch aus beruflichen Gründen im Gedächtnis hat erinnert sich, dass es lange als "die Schweiz des Nahen Ostens" galt und das Bankenwesen dort führend für die arabischen Länder war.
Die Hauptstadt, Beirut, galt als Paris des Nahen Osten und ist wieder auf dem besten Weg dorthin.
Kann man also im Libanon Parties feiern wie wir sie kennen? Reiseanbieter weltweit sowie diverse Medien scheinen dieser Meinung zu sein.
Selbst Paris Hilton hat Beirut als Partystadt entdeckt. Natürlich hat der Libanon viele kulturell sehr interessanten Ziele zu bieten, Balbeck z.B. ist weltberühmt für die Freiluftkonzerte. Aber in diesem Bereich geht es eher "traditionell islamisch" zu, wir sehen die verschleierten Frauen, die martialischen Bilder an den Straßen.
Beirut: hier stehen immer noch Ruinen allerorts, daneben riesige Baustellen, und mitten drin: Clubs in welchen rauschende Parties gefeiert werden, die denen von New Yorker Clubs z.B. in nichts nachstehen. Auch nicht in Freizügigkeit.
Die libanesische Popmusik hat einen tollen Beat, sie reißt die Partygäste mit. Die Frauen hier wissen um ihre exotische Schönheit und setzen sie auch entsprechend ins rechte Licht.
Anders als in vielen anderen arabischen Ländern ist es im Libanon nicht verboten, einen gleichgeschlechtlichen Partner zu haben. Sozial mag das immer noch ein Problem sein. Wer kennt den Druck den einen Familie ausüben kann nicht? Aber rechtlich ist der Libanon hier sehr tolerant - und das hat sich auch im Ausland herumgesprochen.
Es gibt inzwischen spezielle Reiseführer für Schwule und Lesben, in Beirut werden Schönheitswettbewerbe dazu abgehalten, und man flirtet munter offen miteinander - solange die Familie nichts davon mitbekommt ist alles in Ordnung. Hat man erst mal ein Alter erreicht, in dem die Familie dann aufgibt auf Heirat und Nachwuchs zu drängen, kann man seine Vorlieben offener ausleben.
das ist der weniger schöne Beinamen, den diese vor Leben vibrierende Stadt bei vielen Traditionalisten hat.
Beirut hat in seiner jüngeren Geschichte so viele schreckliche Dinge erlebt: Morde, Bombenanschläge, Attentate (dazu gibt es sogar spezielle Fremdenführungen, was schon etwas makaber ist). Wer kann es einer Stadt verdenken, sich in den friedlichen Zeiten der Euphorie hinzugeben, um zum Einen das Vergangene auszublenden und zum Anderen Erinnerungen zu schaffen, die in zukünftig schwierigen Zeiten helfen werden zu überleben.
Wie überall in der Welt braucht man für die angesagtesten Clubs über den Dächern von Beirut die passende Kleidung, den passenden Partner und natürlich: die Reservierung. Es kann Monate dauern bis man diese erhält. Die Türsteher sind in Nobel-Diskos wie der Skybar entsprechend hart bei der Auswahl der Gäste die in den Genuss dieser einzigartigen Atmosphäre kommen dürfen.
wird in Beirut gefeiert. Und die jungen Männer - wie fast überall auf der Welt - lieben es ihre dicken Schlitten vorzuführen. Falls es dadurch Stau geben sollte umso besser, um so länger wird man gesehen. Für ein Land, dass sich gerade erst aus dem Erbe des letzten Bürgerkrieges befreit ist es bemerkenswert, wieviel Luxusautos und generell Luxusartikel in der Stadt anzutreffen sind. Die Rue Monot ist berühmt-berüchtigt. Hier verlief vor noch nicht allzulanger Zeit die Teilung Beiruts, die "Green line" die man nicht überqueren durfte. Heutzutage ist es das Viertel mit den besten Tanzclubs und Bars, denn als die Green line geöffnet wurde, war dieses Stadtviertel fast tot - zerbombt. Niemand machte den ersten Clubs die Grundstücke/Häuser streitig. Wenn man bei den Ruinen überhaupt noch von Häusern sprechen konnte. Nach und nach wurden diese Häuser saniert und heute pulsiert dort das Leben bis in die frühen Morgenstunden.
Christen und Muslime feiern hier gemeinsam - warum kann es nicht immer so sein - warum können wir nur gemeinsam friedlich feiern, aber nicht gemeinsam friedlich miteinander leben?
In Beirut kann man fröhlich sein ohne sich verstecken zu müssen - bis der nächste Krieg beginnt. Andere arabische Länder gehen dazu über Parties zuzulassen, Jordanien z.B. ist inzwischen für sein Techno-Spektakel in der Wüste, im Wadi Rum, berühmt.
Danke an:
www.sky-bar.com Beirut, insbesondere Rhea Maria Tehini für die Bilder
www.wikipedia.de
www.weltkarte.com für die Übersichtskarte



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